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A Long Way Down
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A Long Way Down (zu Deutsch etwa: ‚Ein langer Weg hinab‘) ist ein schwarzhumoriger Roman des britischen Schriftstellers Nick Hornby aus dem Jahr 2005. Die deutsche Erstausgabe erschien 2005 in einer Übersetzung von Clara Drechsler und Harald Hellmann beim Verlag Kiepenheuer & Witsch. Droemer Knaur veröffentlichte im Folgejahr eine Taschenbuchausgabe.

Die gleichnamige Verfilmung des Romans von Regisseur Pascal Chaumeil hatte im Februar 2014 auf der 64. Berlinale Premiere. Die Hauptrollen spielen Pierce Brosnan als Martin Sharp, Toni Collette als Maureen, Imogen Poots als Jess und Aaron Paul als J.J.cite-ref-1[1]

Die vier Protagonisten Martin, Maureen, Jess und JJ begegnen sich beim Selbstmordversuch in der Silvesternacht auf dem Dach eines Londoner Hochhauses und geben sich das Versprechen, ihren Suizid bis zum Valentinstag aufzuschieben und sich umeinander zu kĂŒmmern. Neben Selbstmord thematisiert der Roman Einsamkeit, Depressionen und Gruppendynamik, die Handlung ist von der Verschiedenartigkeit der vier Charaktere geprĂ€gt.

Contents

‱ Inhalt
‱ 1. Teil
‱ 2. Teil
‱ 3. Teil
‱ Figuren
‱ Stilistik
‱ Rezeption
‱ Kritiken
‱ Adaption
‱ Hörbuch
‱ Film
‱ Theater
‱ Sonstiges
‱ Weblinks

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Inhalt

1. Teil

Den abgehalfterten Talkmaster Martin Sharp, die einsame Hausfrau Maureen (51), den erfolglosen Rockmusiker JJ (31) und die schwer erziehbare Jess Crichton (18) verbindet nicht viel, außer dem Umstand, dass alle vier in der Silvesternacht vom selben Hochhaus (Topper’s House) springen wollen. Durch das unerwartete Aufeinandertreffen der vier Personen schlĂ€gt ihr Suizidplan fehl. Nachdem sie sich ihre Lebensgeschichten erzĂ€hlt haben, beschließen sie, bis Valentinstag mit dem Suizid zu warten und in der Zwischenzeit aufeinander aufzupassen. Dadurch entsteht eine sonderbare Beziehung zwischen vier unglĂŒcklichen und sehr unterschiedlichen Menschen.

2. Teil

Am nĂ€chsten Morgen steht in allen Zeitungen, dass Jess mit Martin geschlafen haben soll. Diese falsche Information hat die Presse von Jess’ Ex-Freund Chas erhalten. Ihr Vater stellt Jess zur Rede. Diese Angelegenheit ist fĂŒr ihn peinlich, da er als Junior-Bildungsminister ein öffentliches Amt bekleidet. Aus Angst, dass ihr Vater von ihren Suizidabsichten erfĂ€hrt, bejaht sie diese falsche Information aus der Zeitung.

Die nĂ€chste Ausgabe berichtet von einem Suizidpakt zwischen Martin und Jess. Jess’ Vater verlangt AufklĂ€rung von Martin. Dieser beteuert, dass er nicht mit Jess geschlafen habe. Nach dem GesprĂ€ch beauftragt Jess’ Vater Martin, auf Jess aufzupassen. Martin bekommt hierfĂŒr sogar etwas Geld. Nach einem weiteren Artikel wird JJ von einer Reporterin aufgesucht. Sie möchte von ihm wissen, warum die vier sich entschieden haben, nicht vom Hochhaus zu springen. JJ möchte darĂŒber allerdings zuerst nicht reden.

SpĂ€ter ruft Jess bei Maureen an und beschließt aufgrund der Zeitungsschlagzeilen eine Krisensitzung bei Maureen abzuhalten. JJ macht bei Maureen reinen Tisch und erklĂ€rt, dass er keine tödliche Krankheit habe. Jess schlĂ€gt vor, aus der Suizidschlagzeile eine große Story zu machen. Sie hat die Idee, der Presse von einer Engelserscheinung zu berichten. Allerdings halten die anderen drei nicht viel davon und versuchen es ihr auszureden. Am nĂ€chsten Morgen stellen sie fest, dass Jess doch mit einer Reporterin ĂŒber die Engelsstory gesprochen haben muss. Im Interview erzĂ€hlt Jess der Reporterin Linda, dass der Engel ausgesehen habe wie Matt Damon. Jess muss der Reporterin versprechen, dass sie auch mit den anderen drei Betroffenen ein Interview fĂŒhren darf. Obwohl sie nicht gutheißen, was Jess getan hat, treffen sich alle vier mit Linda zum Interview. Linda nutzt dieses GesprĂ€ch, um Martin in ihrem Artikel zu diffamieren. Martins Chef beim Fernsehsender FeetUp TV entlĂ€sst ihn daraufhin zunĂ€chst. Durch sein Versprechen, die drei anderen fĂŒr seine Sendung zu gewinnen, bekommt er aber noch eine Chance. Die Sendung verlĂ€uft allerdings so katastrophal, dass alle vier hinausgeworfen werden und Martin endgĂŒltig seinen Job verliert. Bei einer weiteren Talkshow erklĂ€rt Jess, dass die Engelserscheinung erlogen war, um Geld zu machen, woraufhin kein Journalist mehr etwas von ihnen wissen möchte.

Da sie nun viel Zeit haben, beschließen sie, sich ĂŒber das Thema Suizid zu informieren. Allerdings kommt es jedes Mal zum Streit, woraufhin JJ meint, dass sie alle Urlaub brĂ€uchten. Martin, Jess und JJ helfen Maureen fĂŒr ihren behinderten Sohn Matty eine Pflege fĂŒr die Zeit ihres Urlaubs zu organisieren. Eine Woche spĂ€ter sitzen sie im Flugzeug nach Teneriffa. Am zweiten Tag der Reise sieht Jess ein MĂ€dchen, das auf den ersten Blick ihrer vermissten Schwester Jen sehr Ă€hnlich sieht. Das MĂ€dchen fĂŒhlt sich allerdings durch Jess belĂ€stigt, und die beiden geraten in Streit. Aus Frust betrinkt sich Jess und wird spĂ€ter von der Polizei aufgegriffen und zum Hotel gebracht. Sie behauptet, dass Maureen und Martin ihre Eltern seien. Daraufhin zieht Martin verĂ€rgert aus dem Hotel aus. JJ trifft ein MĂ€dchen, das seine alte Band kennt, und verbringt mit ihr die Nacht. Martin macht sich wĂ€hrend seiner Abwesenheit von den drei anderen ĂŒber sein Leben Gedanken. Er ist mittlerweile der Meinung, dass nicht er, sondern andere an seinem Elend schuld seien. Jess möchte mit ihm reden, aber Martin blockt ab. Im Taxi zum Flughafen unterhalten sich Martin, Maureen, Jess und JJ ĂŒber ihre Urlaubserlebnisse und planen ihr Treffen am Valentinstag.

Der Treffpunkt ist um 20 Uhr auf dem Dach von Topper’s House. WĂ€hrend des GesprĂ€chs entdecken sie einen jungen Mann, der gerade im Begriff ist, sich vom Dach zu stĂŒrzen. Martin, Maureen, Jess und JJ wollen ihn davon abhalten, doch im selben Moment lĂ€sst sich der Mann in die Tiefe fallen.

3. Teil

Nach dem Erlebnis mit dem Selbstmörder auf Topper’s House gehen Martin, JJ, Maureen und Jess nach Hause und treffen sich am folgenden Nachmittag im Starbucks wieder. Martin erzĂ€hlt den dreien etwas ĂŒber einen Zeitungsartikel, in dem ein Suizidologe ĂŒber Selbsttötung berichtet. Der Suizidologe Ă€ußere die Ansicht, dass die Krise neunzig Tage dauere und sich danach einiges verĂ€ndere. So verabreden sie, mit einem eventuellen Suizid mindestens noch bis zum 31. MĂ€rz zu warten.

Maureen und Jess beschließen, Martins Ex-Frau Cindy zu besuchen, um die beiden wieder zusammenzubringen. Cindy Sharp wohnt in Torley Heath zusammen mit ihren Kindern und ihrem neuen Partner Paul, der blind ist. Cindy erklĂ€rt den beiden, dass Martin viele Fehler gemacht habe, sich nicht um die Kinder gekĂŒmmert habe und sie ihn keineswegs zurĂŒckhaben möchte.

Jess organisiert ein Treffen im Souterrain des CafĂ©s. Sie lĂ€dt alle Angehörigen der vier ein, insgesamt 16 Personen. Doch es lĂ€uft nicht so, wie sie es sich vorstellt. Jess und ihre Eltern schreien sich an, weil ihre Mutter behauptet, sie hĂ€tte die Ohrringe ihrer Schwester Jen gestohlen. JJ und ein ehemaliger Bandkollege verlassen das CafĂ©, um sich zu prĂŒgeln, und Martin legt sich mit einem von Mattys Pflegern an, da er glaubt, dass dieser mit seiner Exfreundin flirte. Maureen ist die Einzige der vier, die nun noch anwesend ist. Sie unterhĂ€lt sich mit Jess’ Eltern. Sie reden ĂŒber die Geschichte mit den Ohrringen, und Maureen erklĂ€rt, dass sie nicht glaube, dass Jess die Ohrringe gestohlen habe. Sie ist der Meinung, dass Jen selbst noch einmal zurĂŒckgekommen sei und sie abgeholt habe. Die beiden Pfleger Sean und Stephen helfen Maureen dabei, Matty nach Hause zu bringen. Auf dem Heimweg fragt Sean sie, ob sie nicht Lust habe, bei einem Quizspiel mitzumachen. Da sie zusagt, bringen sie Matty kurze Zeit spĂ€ter ins Pflegeheim und fahren dann in das Pub, wo das Spiel stattfindet. Dort bietet ihr ein Ă€lterer Mann aus ihrer Mannschaft einen Job in einem Zeitungsladen an.

Als Jess von ihrem kleinen Ausflug nach London Bridge, wo sie inzwischen eine AffÀre hat, wieder nach Hause kommt, entschuldigt sich ihre Mutter bei ihr und sagt, dass sie das mit den Ohrringen eingesehen habe. Jess akzeptiert ihre Entschuldigung.

Maureen, JJ und Martin haben sich inzwischen beruflich neu orientiert. Martin ist nun Nachhilfelehrer und möchte sich ein neues Leben aufbauen. JJ ist Straßenmusiker geworden und freut sich, dass er wieder Musik macht, und Maureen arbeitet jetzt regelmĂ€ĂŸig im Zeitungsladen.

Die neunzig Tage neigen sich dem Ende zu. Am 31. MĂ€rz treffen sie sich im Pub gegenĂŒber von Topper’s House. Sie beschließen, gemeinsam auf das Dach zu gehen. Dort oben wird ihnen beim Anblick der Londoner Skyline klar, wie schlimm es fĂŒr ihre Freunde und Familienangehörigen wĂ€re, wenn sie sich umbringen wĂŒrden. Letztendlich verabreden sie erneut, einen etwaigen Suizid um weitere sechs Monate zu verschieben.

Figuren

Charakterisierung und Entwicklung von JJ

JJ, ein Amerikaner, ist vor einigen Jahren nach London gekommen, da seine damalige Freundin Lizzie nach London gezogen war. FĂŒr Lizzie hat er auch seine Band („Big Yellow“) aufgegeben. FĂŒr JJ war die Band und das Musikmachen von großer Bedeutung. Der Traum vom Leben als Rockstar lebt aber immer noch in ihm weiter. Allerdings verdient er sich sein Geld inzwischen mit dem Ausliefern von Pizza. Mit dieser Situation ist er sehr unzufrieden.

JJ lebt in der Welt der Musik. Er vergleicht Menschen, Situationen und sich selbst mit Bands oder einzelnen Musikern, wie zum Beispiel auf Seite 72 [
] dann begann ich, In Between Days von The Cure zu summen, was mir passender vorkam [
]

JJ vergleicht auch seine eigenen Suizidabsichten mit denen berĂŒhmter Musiker. Und in der Gruppe der vier Selbstmordkandidaten sieht er eine Band und gibt ihr auch einen Namen: Topper’s House Four.

JJs Gedanken ĂŒber die anderen Mitglieder der Gruppe wirken oft arrogant. Obwohl er selbst es nicht zu viel gebracht hat, wirkt es hĂ€ufig so, dass er sich fĂŒr etwas Besseres hĂ€lt. Erstaunlich ist, dass er sich mit der schĂŒchternen und prĂŒden Maureen am besten versteht. Er versucht ihr zu helfen und fĂŒhrt viele GesprĂ€che mit ihr. Ihm liegt viel daran, die anderen dazu zu bringen, RĂŒcksicht auf Maureen zu nehmen. So hĂ€lt er Jess dazu an, sich fĂŒr ihre Wortwahl zu entschuldigen. JJ ist es auch, der fĂŒr Maureen einen gemeinsamen Urlaub initiiert. Das wird ihm aber selbst zuwider, und er distanziert sich schnell. Er will lieber sein eigenes Leben in den Griff bekommen, einen richtigen Job und eventuell wieder Erfolg mit der Musik haben.

Bei dem Wiedersehen mit seiner Ex-Freundin Lizzie und seinem besten Freund Ed, der extra aus den USA angereist ist, wirkt er reifer als am Anfang der Geschichte. Ihm wird klar, wie er in diese Situation gekommen war. Lizzie und Ed wollen ihm helfen und kaufen ihm eine Gitarre, eine Mundharmonika und ein Neck-Rack, damit JJ wieder Musik machen kann. JJ erkennt, dass er wieder anfangen muss, Musik zu machen. Er fĂ€ngt ein Leben als Straßenmusiker an und stellt fest, dass ihn das erfĂŒllt.

Charakterisierung und Entwicklung von Maureen

Maureen ist 51 Jahre alt und alleinstehende Mutter ihres körperlich und geistig behinderten Sohnes Matty, dessen Pflege sie nahezu ausnahmslos ihr Leben widmet. Bevor Matty zur Welt kam, war sie berufstĂ€tig und sehr kontaktfreudig. Dies Ă€nderte sich jedoch schlagartig, denn um sich vollzeitig um ihren Sohn kĂŒmmern zu können, musste sie ihr komplettes Leben umstellen und auf nahezu alles verzichten, unter anderem auch auf eine BerufstĂ€tigkeit.

Dieser Umstand fĂŒhrte dazu, dass beide zwangslĂ€ufig in Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen leben mĂŒssen. Wenn es nach ihr ginge, wĂŒrde sie am liebsten wieder soziale Kontakte knĂŒpfen. Maureen wĂŒnscht sich nichts so sehr wie einem Beruf nachzugehen oder wieder lebenswerte Dinge zu erleben, wie z. B. Verreisen. Maureen grenzt sich mehr und mehr von der Außenwelt ab und lebt einsam und abgeschieden mit Matty in einer kleinen Wohnung. Die Zeit ist an ihr vorbeigegangen. Sie wirkt oft sehr weltfremd. So spricht sie von Handys distanziert als „diese neumodischen Taschentelefone“.

Die Verzweiflung und Überforderung dieser Frau in der Mutterrolle fĂŒr ihren behinderten Sohn seit bald 20 Jahren ist deutlich zu erkennen. Einerseits wĂŒrde sie diese Last gerne abwerfen und spielt daher mit Gedanken an Suizid, andererseits ist sie eine pflichtbewusste Mutter, die den Sinn ihrer Existenz in der Pflege ihres völlig unselbstĂ€ndigen Sohnes sieht.

Das Thema Suizid

Alle vier Protagonisten haben ihre eigene Geschichte, aber die gleiche Auffassung vom Leben: Es ist sinnlos, und es scheint keinen Ausweg fĂŒr ihre Probleme zu geben. Jeder fĂŒr sich beschließt am Silvesterabend, sich das Leben zu nehmen. Doch keiner von ihnen springt. Haben sie nur Angst zu springen oder wird ihnen klar, dass es keinen Sinn hat, sich umzubringen?

Auslöser der Suizidgedanken bei Jess ist, dass ihr Freund sie verlassen hat. SpĂ€ter erfĂ€hrt man ĂŒber Jess, dass ihre Schwester verschwunden ist und sie das mehr mitnimmt, als sie vor den anderen zeigt. Sie hat schon vieles versucht, um sie zu finden, doch alles ist gescheitert. Möglicherweise ist ihre Schwester abgehauen oder entfĂŒhrt worden oder bereits tot. Jess plagt diese Ungewissheit. Und nun verlĂ€sst sie wieder ein Mensch, den sie liebt bzw. geliebt hat: Chas.

Martin ist der Öffentlichkeit bekannt durch seine TV-Moderation beim FrĂŒhstĂŒcksfernsehen. Er fĂŒhrt ein Party-Leben, betrinkt sich hĂ€ufig in Pubs, geht fremd, schlĂ€ft mit einer MinderjĂ€hrigen, weswegen er letztlich hinter Gittern landet. Er verliert seine Frau und mit ihr seine beiden Töchter. Durch negative Medienberichte verliert er sein positives Image in der Öffentlichkeit. Nach seinem GefĂ€ngnisaufenthalt ist er darauf angewiesen, eine unbedeutende Talkshow zu moderieren. Bei Martin geht also ziemlich alles schief, was man sich vorstellen kann.

Maureen hat einen behinderten Sohn. Er ist ein schwerer Pflegefall, um den sie sich Tag und Nacht kĂŒmmern muss. Sie ist in jeder Hinsicht damit ĂŒberfordert und sieht weder im Leben ihres Sohnes noch in ihrem eigenen einen Sinn. Maureen denkt, dass es so etwas wie eine Strafe fĂŒr sie ist. Sie schlief (einmalig) mit einem Mann und daraus entstand ihr uneheliches, behindertes Kind. Sie macht sich schwere VorwĂŒrfe und kommt damit nicht zurecht.

JJ ist Amerikaner. Er wurde von seiner Freundin wegen eines anderen Mannes verlassen. Seine Band, die seinen Lebensinhalt fĂŒr ihn ausmacht, ist absolut erfolglos. Nun arbeitet er als Pizzabote, was ihm ĂŒberhaupt nicht gefĂ€llt. Er ist Musiker ohne Erfolg, dies ist aus seiner Sicht jedoch so ziemlich das Schlimmste fĂŒr einen KĂŒnstler. Er tĂ€uscht den anderen gegenĂŒber eine tödlich verlaufende Erkrankung vor, die sich angeblich CCR nennt. Dabei sind es nur die Initialen einer Band, die er mag. JJ denkt, seine Probleme seien nicht annĂ€hernd so groß wie die der anderen.

Im Verlauf der Geschichte versuchen sich alle gegenseitig zu helfen, z. B. fahren sie gemeinsam nach Teneriffa, um sich eine Auszeit zu nehmen; Maureen und Jess fahren zu Martins Ex-Frau und deren Kindern, um sie dazu zu bringen, zu Martin zurĂŒckzukehren. Keiner der vier nimmt Ă€rztliche bzw. professionelle Hilfe in Anspruch. Als „Therapie“ dient ihnen lediglich die gegenseitige Aussprache und Hilfe: Am Ende springt keiner von ihnen.

Stilistik

ErzÀhlperspektive

Der Roman wird aus den Perspektiven der vier Protagonisten in der Ich-Form erzÀhlt. Die Perspektive wechselt kapitelweise, jedem Kapitel wird der Name des ErzÀhlers vorangestellt. Eine auktoriale Ebene existiert nicht.

Die Handlung gewinnt dadurch an Fluss, dass jeder Abschnitt an den vorangegangenen anknĂŒpft. Dabei ĂŒberschneidet sich die erzĂ€hlte Handlung teilweise, so dass sie aus mehreren Perspektiven dargestellt wird. Im Wesentlichen schreitet die Handlung jedoch voran, es wird also nicht die gesamte Handlung jeweils vierfach erzĂ€hlt.

Auch der sprachliche Ausdruck der verschiedenen Perspektiven ist unterschiedlich. Hornby lĂ€sst die ErzĂ€hler auf ihren unterschiedlichen Sprachniveaus erscheinen – vom eloquenten Fernsehmoderator Martin ĂŒber die biedere und unsichere Maureen bis zum ungehemmten Mundwerk von Jess, deren sprachliches Unvermögen offen dargestellt wird.

ErzÀhlstil von Jess

Sehr auffĂ€llig bei den Jess-Kapiteln ist, dass sie zwar die wörtliche Rede der anderen im Zusammenhang mit Szenen wiedergibt, aber nicht in der Form der wörtlichen Rede mit AnfĂŒhrungszeichen.

Und er dann, Na und?, und ich, Tja.

Statt AnfĂŒhrungszeichen setzt sie Kommas, um deutlich zu machen, dass es sich um wörtliche Rede handelt. Sie hat mit einer sprachlich angemessenen Darstellung als ErzĂ€hlerin Schwierigkeiten, die in ihrer mangelnden Bildung begrĂŒndet sind. Das erkennt sie aber selbst und klĂ€rt den Leser auch darĂŒber auf:

Das mach ich immer, wenn ich ĂŒber was rede, was ein anderer gesagt hat. Ich immer so, also ich sag so, und sie dann so, in der Art 
 Ich bin nicht so gut in AnfĂŒhrungszeichen und was weiß ich.

Außerdem verwendet Jess hĂ€ufig umgangssprachliche AusdrĂŒcke. Ihre Ausdrucksweise macht deutlich, dass sie unreif ist. Sie wirkt oft wie ein Kind, das gerne zeigen möchte, dass es recht hat. Jess benutzt, wĂ€hrend sie redet, noch mehr Schimpfwörter als JJ.


 so ungefĂ€hr Kotz, Arschloch, MiststĂŒck, Scheiße, Fuck, Wichser.

Jess drĂŒckt sich gerne bildhaft aus, da es ihr manchmal schwerfĂ€llt, ihre Gedanken verstĂ€ndlich zu versprachlichen. Ihre Bilder oder Vergleiche wirken dann aber ebenso hilflos.


 es sei denn, einer von uns ginge hin und erfĂ€nde eine Zeitmaschine oder wĂŒrde verhindern, dass England von der Al-Qaida heimgesucht wird oder so.

Durch ihr sprachliches Verhalten wird deutlich, dass Jess es an Takt, RĂŒcksicht und Stil mangelt – besonders im GesprĂ€ch mit der unsicheren und schĂŒchternen Maureen.


 ohne dass ich fragte, ob sie schon mal einer von hinten gefickt hat 


Rezeption

Kritiken

Nick Hornby wurde in verschiedenen Rezensionen dafĂŒr kritisiert, dass er die ernsten Themen Depression bzw. Suizid auf seine lockere, schwarzhumorige Art behandelt. Es wird ihm jedoch zugutegehalten, dass er es mit diesen Themen ernst meint und sie nicht aus reiner Effekthascherei aufgreift.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meinte 2005 in ihrer Rezension des Buches, es gelinge Hornby nicht, „die Charaktere und Stimmen sauber zu trennen“. Man werde „den Verdacht nicht los, daß Hornby seine Figuren nur als Spielmasse benutzt, ohne sich wirklich fĂŒr sie zu interessieren.“cite-ref-2[2]

Depression und Suizid greift er bereits in seinen anderen BĂŒchern auf, zum Beispiel bei Fiona in About a Boy, die einen Suizidversuch unternimmt, da sie meint, mit ihren Depressionen nicht weiterleben zu können.

Adaption

Hörbuch

A Long Way Down erschien 2005 als Hörbuch bei Der Hörverlag. Die Aufnahme umfasst 4 CD mit einer Gesamtlaufzeit von 320 Minuten. Jeder Charakter wird von einem anderen Sprecher gelesen. Stefan Kaminski spricht JJ, Hille Darjes gibt Maureen, Julia Hummer spielt Jess und Andreas Petri ĂŒbernimmt den Part von Martin.

„Die mit sehr viel Sorgfalt auf ungefĂ€hr zwei Drittel des Romanumfangs gekĂŒrzte Lesung bewahrt zwar den Gesamtcharakter der Geschichte, trotzdem vermisst der Hornby-Leser auf den CDs einige gute Stellen.“

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DRadio

Film

Der Roman wurde 2014 unter gleichem Titel verfilmt. Die Hauptrollen spielen Pierce Brosnan (Martin Sharp), Imogen Poots (Jess Crichton), Toni Collette (Maureen) und Aaron Paul (J.J.). Sam Neill spielt Jess’ Vater.

Theater

Eine Theaterfassung wurde im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele am 21. Juli 2019 uraufgefĂŒhrt. In der Inszenierung von Christian Nickel ĂŒbernahmen Karsten Speck, Helena Sigal, Peter Englert, Mick Rießbeck und Natascha Hirthe die jeweiligen Rollen.cite-ref-4[4]

Sonstiges

Topper's House soll das Hochhaus Archway-Tower ĂŒber der Archway-U-Bahn-Station in Nord-London sein.

Weblinks

‱ Rezensionen auf Lyrik-Welt
‱ Rezension bei Literaturkritik mit ausfĂŒhrlicher Inhaltsangabe
‱ Rezensionsnotizen bei Perlentaucher

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ A Long Way Down Berlinale.de
cite-note-22. ↑ Literaturkritik – Der Selbstmörder-Club in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. August 2005. Abgerufen am 29. September 2013.
cite-note-31. Rezension auf dradio.de
cite-note-44. ↑ https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/festspiele-long-down-feierte-premiere-eichhof-12842915.html